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Medizinische Communities
"Direct-To-Consumer"-Marketing
bzw. -Kommunikation, kurz DTC, hat sich zu einem zentralen Ansatzpunkt für
zukünftige Expansionschancen in den Marketing- und Vertriebsstrategien der
pharmazeutischen Industrie entwickelt. Nach einer Sättigung der Ärzte und
Apotheker mit klassischen Außendienst- und Werbepotentialen wird zunehmend der
Patient als Zielgruppe für das Pharmamarketing gesehen.
Das
Internet bietet aufgrund seiner ständigen Verfügbarkeit, Schnelligkeit, Vielfalt
und Anonymität nicht nur im OTC-, sondern insbesondere im DTC-Marketing enorme
Chancen für die Pharmaindustrie, die in integrierten medizinischen Communities
Customer Relationship Marketing (CRM), Direct-to-Consumer-Kommunikation (DTC und
medical education) und Disease-Management für eine patientengerechtere
Information (patient education) verknüpfen können.
Was sind Communities?
Der
Begriff „Community“ entspringt dem Lateinischen und bedeutet wörtlich soziale
Gemeinschaft, Gemeinde, Körperschaft oder Gemeinwesen, gemeint ist damit im
Internetzeitalter die sogenannte Virtual-Community, Online-Community oder auch
Cyber-Community. Die Community als soziale Gemeinschaft ist also eine Gruppe von
Menschen mit gemeinsamen Interessen, Neigungen oder Problemen, die sich online
treffen und Informationen miteinander austauschen. Die Community bietet Ihren
Mitgliedern eine Basis auf der Vertrauen sowohl unter den Mitgliedern wie von
ihnen zum Betreiber der Community besteht. Die sogenannte Community-Kultur wird
durch den Betreiber aktiv bestimmt, indem er den Aufbau der Beziehungen zwischen
den Mitgliedern erleichtert, sowie die Mitglieder dabei unterstützt, gemeinsam
ihre Ziele in der Community zu erreichen. Zudem muss der Betreiber das
Community-Leben steuern, indem er einen vertrauten Personenkreis aufbaut,
verantwortlich mit User-Profilen umgeht und notwendige Grenzen zieht ohne dabei
den nicht zu unterschätzenden Spassfaktor zu berücksichtigen.
Das
wichtigste Merkmal einer Community ist die Interaktion und Kommunikation der
Community-Mitglieder untereinander in z.B. Diskussionsforen, Mailinglisten oder
Chats. Ein wichtiger Aspekt ist aber auch die Festigkeit der
Bindung der Mitglieder an ihre Community.
Echte Communites zeichnen sich durch eine Bindung der Mitglieder aus.
Communities im Internet sind vergleichbar mit lebenden
Organismen.
Wie das Leben ist ihre Entstehung und Existenz von günstigen
Voraussetzungen abhängig. Was Licht und Sauerstoff für ein Lebewesen sind, das
sind Inhalte und Marketing für eine Community.
Einmal mit einer Startinvestition zum Leben erweckt, wandeln sie
selbstständig Energie in Form von Resourcen in Umsatz um, wachsen in und mit
ihrem Umfeld, passen sich an und reifen optisch und inhaltlich mit der Zeit.
Communites müssen geführt werden, beschreiben dabei ihre eigene
Lernkurve und gehen dennoch manchmal eigene Wege.
Warum Communities?
Seit
jeher haben Menschen den Wunsch sich gegenseitig auszutauschen, die einen haben
Rat, Informationen, Güter oder anderes anzubieten und die anderen suchen
entsprechendes. Diese marktwirtschaftlichen Gegebenheit aus Nachfrage und
Angebot gelten genauso für die weiter unten erwähnten Audi-TT-Fahrer, wie für
Singles und insbesondere auch Patienten und deren Angehörige. Der Startschuss zu
einer Community entsteht somit aus einem ureigensten menschlichen Bedürfnis
heraus.
Das
Internet hat zudem, wie kein anderen Medium zuvor inhärente Möglichkeit und den
Vorteil Menschen über grosse Entfernungen hinweg, ortsungebunden, 24 Stunden am
Tag, multimedial (Daten, Ton und Bild) und absolut anonym verbinden zu können.
Mit
dem Aufkommen des Internet entwickelten sich Ende der 80er Jahre die ersten
Internet-Communites unter IT-Spezialisten (auch Newsgroups genannt), heute sind
daraus Millionen Mitglieder zählende Communities wie z.B. Napster, MSN, Tripod,
E-Bay oder die Community der Vodafone-Nutzer geworden.
Communities werden daher auch in Zukunft immer einen sehr hohen Stellenwert in
der Kommunikation von Menschen mit ähnlichem Fokus einnehmen.
Welche besonderen Vorteile bietet das Internet für das DTC-Marketing?
-
Die 24 Stunden / 7 Tage Verfügbarkeit unterstützt den Wunsch
und die Entscheidung des Patienten nach dem wie, wann und wo der Nutzung (rund
um die Uhr, auch an Wochenenden, Von Zuhause, der Arbeit und fast überall) und
ist ein echter USP gegenüber anderen Marketing- und Vertriebsmassnahmen
-
Pharmamarketing beweist im Internet einen sehr viel längeren
und aufmerksameren Kontakt des Patienten mit den Angeboten und Produkten und
erlaubt bisher nicht gekannte Interaktion (Direct-to-Consumer)
-
Internet-Angebote können modular leicht um weitere Information
und Services ausgebaut, skaliert und an den Produkt-Lifecycle angepasst
werden.
-
Viele Kosten entstehen beim Internet-Marketing nur einmal (vgl.
Print, TV), daher ist es besonders wirtschaftlich bei hohen Teilnehmerzahlen
-
Synergien
zwischen Internet-Marketing, CRM und dem Marketing- Vertriebs-Mix können und
müssen online und offline im Unternehmen genutzt und umgesetzt werden
-
DTC- und
OTC-Marketing im Internet kann multiplikative Effekte im Markt zeigen, z.B.
als Booster bei High-impact Blockbuster-Launches genutzt werden
-
Gerade
Patienten geniessen und nutzen den Schutz durch Anonymität.
Das macht Internet-Marketing besonders wertvoll bei bei
„unangenehmen Themen“ oder Themen, bei denen Patienten sonst schwer erreicht
werden
-
Internet-Marketing kann aufgrund der geringen Streuverluste und
Kontrollmöglichkeiten seine Wirkung auf „Patient Education“ und „Behavior
Modifikation“ beweisen
-
Pharmamarketing im Internet lässt durch sein
Verlinkungsmöglichkeiten und flexible Nutzung die Grenzen zwischen DTC- und
OTC-Marketing verschwimmen und kommt damit dem Patientenwunsch nach
Informationsfreiheit entgegen
-
Viele Prozesse
im Internet-Marketing sind automatisierbar und qualitätsgesichert, wie z.B.
evidenzbasierte Protokolle oder Erinnerungsfunktionen
Was
können Communites bewegen?
Die
Antwort lautet: mindestens 100 Millionen DM! Sicher erinnern Sie sich noch
daran, dass Audi alle ausgelieferten Fahrzeuge seines neuen Sportwagen, den Audi
TT, im Jahr 1999 ins Werk nach Ingolstadt zurückrufen musste. Was war passiert?
Mehrere Audi-TT-Fahrer hatten beim Fahren ihres neuen Sportwagen festgestellt,
dass dieser ab Tempo 140 km/h bei abrupten Brems- und Lenkmanövern instabil
wurde und nicht mehr in der Spur gehalten werden konnte. Diese Tatsache führte
zu einigen wenigen tötlichen Unfällen, die eigentlich nicht weiter hätten
Aufsehen erregen müssen, hätte es nicht ein privates Diskussionsforum (www.tt-owners-club.de)
von Audi-TT-Fahrern im Internet gegeben. Da viele der damals lediglich einige
tausend Personen starken Audi-TT-Fahrer-Population zu den Menschen gehören, die
das Internet für berufliche und private Angelegenheiten nutzen, wurden diese
wenigen Unfälle schnell zu einem Diskussionsgegenstand und dem Beginn einer
Lawine, die Audi schliesslich eine neue Werkstrasse zur Überarbeitung der
Fahrzeuge und die Kosten für die Rückrufaktion, einmal ganz abgesehen vom
geschädigten Ruf kosteten.
Was
sind die „lessons learned“ aus diesem, zugegebenermassen drastischen Beispiel?
-
Menschen werden von
selbst aktiv und treten mit anderen Individuen in Kontakt. Communities im
Internet bilden sich daher per se, die kritische Masse an Personen kann dabei
u.a. sehr klein sein.
-
Auch eine kleine Gruppe
von Menschen mit dem gleichen Fokus kann u.U. eine starke und explosionsartig
expandierende Community bilden und Dinge nachhaltig bewegen
-
Durch die Möglichkeiten
und Internationalität des Internets sind Communities nicht zu verhindern oder
rechtlich unterbindbar
-
Communities kann und
sollte man rechtzeitig für die eigenen Ziele nutzen, allerdings ist vor einer
Manipulation der Community zu warnen, diese führt zu nur zu einer neuen
Community
Für
Medikamente, Erkankungen und medizinische Versorgung bedeutet dies die
Möglichkeit und auch grosse Chance Trends im Consumer-Verhalten, neue
Therapieoptionen und Indikationen rechtzeitig zu entdecken und gleichzeitig
Gefahren, wie z.B. Nebenwirkungen, rechtzeitig zu erkennen und schnell zu
reagieren.
Welche Themen sind für medizinische Themen geeignet?
Medizinische Communities eigenen sich aufgrund der Art der Erkrankung,
Patienenzahl, Patientenalter und dem Involvement in eine Erkrankung sehr
unterschiedlich für DTC-Kampagnen.
-
Tabuthemen sind aufgrund der Scheu von Patienten, sich damit primär zu Arzt,
Apotheker oder auch Angehörigen zu wenden, äussert geeignet. In einer
Community kann sich der Patient absolut anonym Information und Rat einholen.
Sehr gute Community-Themen sind z.B. Sexualthemen (Impotenz, Scheidenpilz,
Herpes Genitalis), Inkontinenz, Reizdarm.
-
Erkrankungen und Themen, bei denen das Involvement des Patienten und/oder der
Angehörigen sehr gross ist sind aufgrund des grossen Informations- und
Kommunikationsbedürfnisses ebenfalls sehr geeignet (z.B. Multiple Sklerose,
Alzheimer, Parkinson, Morbus Bechterew, etc.). Erleichternd für die
Community-Bildung ist hier oftmals auch eine eingeschränkte Mobilität der
Patienten bzw. grosse räumliche Entfernungen aufgrund der relativ kleinen
Patientenzahlen.
-
Chronische Erkankungen mit grosser Patientenzahl (z.B. Rheuma, Diabetes,
Herzkreislauf-Erkrankungen) sind, trotz des oftmals hohen Alters der
Patienten, schon allein aufgrund der Vielzahl von Betroffenen ideal für
Communities.
-
Themen
aus dem Lifestyle-Bereich (Altern, Übergewicht/Diät/Ernährung, Stimmung,
Allergien, Hauterkrankungen, Impotenz, Raucherentwöhnung etc.) eigenen sich
als Dauerbrenner in idealer Weise für Communites
-
Themen
mit einer jungen Zielgruppe von 15 bis 45 Jahren (Kontrazeption,
Neurodermitis, Eltern-Kinder-Themen etc.), d.h einer Zielgruppe mit
überdurchschnittlicher Internetaffinität sind sehr gute Community-Themen
Für medizinische Communites gänzlich weniger geeignete Themen
sind hingegen z.B. Schnupfen oder Sonnenbrand, da es sich hier z.B. um sehr
temporäre Erkrankungen mit einem nur geringen Informationswunsch handelt.
Für das Pharmamarketing ist zudem wichtig zu beurteilen, ob sich
das Investment in eine medizinische Communites für die eigenen Produkte eignet.
Der Aufbau einer langfristigen Kompetenzführerschaft im jeweiligen Themenbereich
(das führende Webangebot) mit zusätzlichen langfristigen CRM-Zielen ist einer
der Anhaltspunkte, die hierbei berücksichtigt werden sollten. Weitere Punkte
sind:
-
Marktführende Produkte profitieren mit einer medizinischen Community generell
von einer erhöhten Awareness für die Indikation bzw. das Thema
-
Produkte
mit einem klaren und beschreibbaren USP‘s (Wirkansatz, Design, Galenik etc.)
lassen sich über Communities effektiv vermarkten
-
Produkte
mit hohem Life-Time-Value (MS, Diabetes, Rheuma, Bluthochdruck, Asthma etc mit
einem Life-Time-Value ab ca. € 10.000,-) sind prädestiniert für ein
rechenbares Community-ROI-Modell
-
Neue und
innovative Produkte mit verbessertem Heilversprechen eignen sich schon
aufgrund des hohen Informationsbedarfs des Publikums und der Patienten für
medizinische Communities
-
Themen zu
dem das Unternehmen unique Domains besitzt (z.B. www.rheuma.de), sind
geeignet, da der Nutzer diese per se im Browser eingibt
-
Bei
Präparaten mit hohem Preis, fehlender Kassen-Erstattung oder zurückhaltender
Verordnung durch den Arzt kann durch Communities ein erheblicher
Nachfrageschub erzeugt werden
-
Communities können Mehrwertangebot zu bestehenden Services sein
Was
ist der Benefit von medizinischen Communities für verschiedene Beteiligte?
Von medizinischen Communities profitieren neben den Angehörigen und Patienten
selbst eine Reihe weiterer Beteiligter am jeweiligen Krankheitsbild, von den
Leistungsträgern über Pflegekräfte bis hin zu den Herstellern von Therapeutika,
Diagnostika oder sanitärer Artikel.
-
Medizinische
Communities helfen Betroffenen besser mit ihrer Krankheit zu leben und die aus
der Krankheit resultierende Lebenssituation besser zu meistern
-
Medizinische
Communities unterstützen chronisch Kranke dabei ein besseres Therapieergebnis
zu erreichen (Disease Management)
-
Medizinische
Communities bewirken eine vorärztliche Leistungssteuerung (Demand Management)
durch besser informierte Patienten und Angehörige und damit letztlich eine
Kostenersparnis
-
Medizinische
Communities bewegen Gesunde zu Präventionsmassnahmen für den Erhalt ihrer
Gesundheit
-
Medizinische
Communities führen zu einer früheren Erkennung von Krankheiten und zu einer
höheren Nachfrage von diagnostischen Massnahmen (z.B. Darmkrebs-Vorsorge,
PSA-Check)
-
Medizinische
Communities verbessern die Lebensqualität bei Betroffenen und bringen Ihnen
Spass (!)
Besondere Vorteile und Chance aus medizinischen Communites ergeben sich dabei
auch für die Healthcare-Industrie:
-
Audience
-
Reputation und Imagegewinn für das Pharmaunternehmen und seine Präparate bei
Patienten und Ärzten durch eine beispielhafte und vorzeigbare Community
-
Ausgangspunkt für die weitere Einbindung von z.B. Experten,
Selbsthilfegruppen, Dt. Ges.f., ...
-
Die
Community als Cross-Media-Chance (Online, PR, Print, TV, Vorträge etc) zur
erheblichen Reichweitensteigerung (vgl. Wyeth-Kampagne www.denkepositiv.com)
-
Marketing
-
Die
Community als echtes DTC-Projekt mit ROI-Rechnung im Marketingmix
-
Nutzung
der Community, z.B. für Marktforschungszwecke oder Umfragen
-
Nutzung
der Sponsorflächen für die Gewinnung von Adressen und anderen CRM-relevanten
Daten
-
Vertrieb
-
Medizinische
Communities erhöhen den Absatz von innovativen, wirksamen und gut
verträglichen Medikamenten durch eine Marktausweitung (Neuverordnungen),
Switch, höhere Compliance und eine Steigerung der Dosis
-
Core
Business
-
Die
Community als Lernbeispiel für Internet-Engagements und deren Einbindung in
PR, Vertrieb und Marketing im Unternehmen
-
Communities können modular leicht um weitere Information und
Services ausgebaut, skaliert und an den Präparate-Lifecycle angepasst werden
-
Durch die Sammlung von
Kontakten über die Community können unternehmenseigene Interessen (z.B. CRM)
verfolgt werden
-
Die Community als Basis
für zukünftige Demand- und Disease-Management-Programme
-
Die
Community als Booster für zukünftige Präparate
Wie
gross können medizinische Communities sein?
Wie viele Internetnutzer (Betroffene, Angehörige, Pflegepersonal oder Ärzte)
suchen tatsächlich zu einem medizinischen Thema im Internet? Diese Frage stellen
sich tagtäglich pharmazeutische Unternehmen, die Ihre Produkte vermarkten
wollen, Selbsthilfegruppen und andere Interessensverbände.
Gute
Anhaltspunkte dazu geben Auswertungen von Suchmaschinen oder
Online-Advertising-Tools. Für das Thema Schuppenflechte soll durch folgende
Beispielrechnung eine Abschätzung vorgenommen werden:
Es gibt ca. 800 Mio. Suchanfragen in allen dt. Suchmaschinen
monatlich (Quelle: Google.de und andere Pressemitteilungen). Der Begriff
„Schuppenflechte“ wird 23 x pro 1 Mio. Suchanfragen gesucht (Quelle:
suchmaschinentricks.de)
800 x 23 = 18.400 monatliche Suchanfragen zum Begriff „Schuppenflechte“
Dazu kommen alle die, die ähnliche Begriffe (Psoriasis z.B.) suchen, eine
bekannte URL (schuppenflechte.de z.B.) eingeben oder per Link weitergeleitet
werden. Insgesamt kommt man so auf ca. 40-60.000 Suchanfragen von
Internetnutzern.
Mit dieser Abschätzung erhält man einen konkreten Anhaltspunkt,
wie gross der Traffic auf der eigenen Community sein könnte bzw. wie sich die
Reichweite der eigenen Community im Markt bewegt.
Die
Hitliste der häufig am häufigsten gesuchten Indikationsbegriffe führen u.a.
Depression, Diabetes, Herpes, Hepatitis, Parkinson, Alzheimer, Tinnitus an.
Allerdings befindet sich kein einziger medizinischer Begriff unter den Top 100
Suchbegriffen. Hier führen Begriffe wie Download, Bilder, Berlin usw.
Wie
kann eine medizinische Community erfolgreich betrieben werden?
Das
Betreiben einer medizinischen Communitiy im Internet lässt sich prinzipiell auf
vier wesentliche Grundpfeiler zurückführen.
-
Aufbau
-
o
Qualitätsgesicherte, umfassende und aktuelle Inhalte
-
o
Ansprechendes Design
-
o
Nutzerfreundliche Navigation und schnelle Ladezeiten
-
o
Solide Hard- und Softwarebasis
-
Pflege
-
o
Regelmäßige Aktualisierung und Überprüfung der Inhalte
-
o
Anwendung interaktiver Elemente zur Nutzerbindung
-
o
Betrieb von Expertenrat und Nutzerforum
-
o
Technische Weiterentwicklung
-
Marketing
-
o
Permanentes Online- und Offline-Marketing in der Zielgruppe
-
o
Webmarketing, Suchmaschineneinträge
-
o
PR-Arbeit und Cross-Marketing
-
Vernetzung
-
o
Vernetzung und Kommunikation der Community im Unternehmen
-
o
Vernetzung mit Marketing- und Vertriebsaktivitäten
-
o
Vernetzung mit Callcentern, Distributionsmodellen usw.
-
o
Vernetzung mit Disease-Management und externen Partnern (z.B.
Krankenkassen)
-
o
.....
Exemplarisch seit an dieser Stelle nur einmal auf das Thema Webmarketing
eingegangen:
Eine
der zentralen Schlüsselpunkte des gesamtes Internet-Engagements sind die Fragen
„Wie werden Webseiten und medizinische Communities optimal gefunden?“ bzw. „Wie
bringe ich potentielle Kunden auf meine Website bzw. Community?“.
Nur
dann, wenn es gelingt, die Zielgruppe auf die Community zu führen, kann diese zu
einem Erfolg für das Pharmamarketing werden. Dazu ist u.a. ein ausgefeiltes
Suchmaschinen-Management notwendig, denn über 70% aller Internetnutzer suchen
über Suchmaschinen nach den gewünschten Informationen, etwa 20% geben den
Suchbegriff als www.suchbegriff... in den Browser ein. Nur wenn die Community
unter den ca. ersten 20 Suchtreffern zu finden ist, kann von einem Erfolg
gesprochen werden. "Spuren im Internet hinterlassen" ist hier das Motto. Die
wichtigsten Einzelmassnahmen sind hier:
-
Professionelle, d.h. in der Regel kostenpflichtige, Anmeldung bei den
TOP-Suchmaschinen (derzeit Google, FAST, Altavista, Inktomi und Fireball) und
den TOP-Webkatalogen (derzeit Yahoo, Web.de, MSN). Die TOP 5 der Suchmaschinen
bzw. Webkataloge decken über 90% der Suchanfragen ab!
-
Metatags,
Keywörter, Headlines und Seitenbeschreibungen passend und richtig aussuchen
und eintragen lassen
-
Proaktives Mikro- und Kapillarmarketing , d.h. aktive Ansprache von Webringen,
anderen Communities und Webseiten, auch Gästebücher mit der Bitte um manuelle
Verlinkungen auf die eigene Community. Diese zeitintensive Massnahme führt
allerdings zu der immer wichtiger werdenden Link-Popularity, d.h. wie viele
andere Webseiten auf die eigene Webseite verweisen (References).
-
Viele
Satelliten-Domains (auch Doorway-Pages oder Brückenseiten genannt) aus dem
begrifflichen Umfeld und Domainnamen mit typischen Suchbegriffen (z.B.
rheumamedizin.de) und Variationen führen zu einer erhöhten Trefferrate und
Linkpopularity
-
Keyword-Advertising (bei einer Suche erscheint das Banner) z.B. bei Google ist
eine der effektivsten Werbemassnahmen überhaupt
-
Regelmässige Link- und Ladezeiten-Checks
-
Permanente Kontrolle und Refining aller Massnahmen, denn Suchmaschinen ändern
regelmässig Ihre Suchalgorhytmen um den Nutzern die tatsächlich besten
Suchtreffer zu liefern
-
... und
bitte nicht:
-
Zu
häufige Wiederholung von Keywords
-
Keine
unsichtbaren Texte in Hintergrundfarbe
-
Keine
unpassenden Keywords wie z.B. Sex, Pamela Anderson etc.
-
Keine
Refresh- oder Redirect-Seiten
-
Keine
Phantom-Pixel (1x1 Pixel transparentes GIF)
-
Keine
fremden Marken als Keywords verwenden
Sehr
gute Adressen zum Nachschlagen hierfür sind www.suchmaschinentricks.de oder
www.webmasterplan.de. Interessant ist es ausserdem, sich anzuschauen, welche
Weboptimierungs-Massnahmen die Webseiten unternehmen, die ganz oben in den
Suchmaschinen gerankt sind. Kopieren und verbessern ist günstiger als das Rad
neu zu erfinden.
Was
lässt eine medizinische Community auch morgen noch erfolgreich sein?
Die
Frage nach der Evolution einer medizinischen Community ist nicht einfach zu
beantworten. Durch die Vielzahl von Zielparametern (Unique User, PageImpessions,
angemeldete Mitglieder, erzielter e-Commerce) lässt sich Erfolg nur individuell
definieren. Häufig kann nur durch „Trial and Error“ und im Nachhinein
herausgefunden werden, welche Massnahme den Communityerfolg nachhaltig bestimmt
hat. Einige der Erfolgsfaktoren sind:
-
Der First-Mover-Effekt
garantiert zwar noch keinen Erfolg, ist aber oft zusammen mit anderen
Voraussetzungen eine sehr gute Basis für einen späteren Erfolg
-
Finanzielle
Anschubfinanzierung erlaubt professionelle Technik, seriöse Contents und
weitere Basics von Anfang an
-
Ein klares finanzielles
und personelles Commitment aller Beteiligten zur Community, die nicht nur
Auftrag sein kann, sondern Aufgabe sein muss
-
Die Einbindung der
Community bei Gesundheitsportalen erzielt regelmässig Traffic und gewinnt
zudem leichter neue Nutzer
-
Die Unterstützung und
Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen, medizinischen Gesellschaften, Verbänden
und anderen Ärzteorganisationen kann ein Multiplikator für die Nutzung der
Community sein
-
Die Einbindung von
Experten aus allen Bereichen, die eng mit Betroffenen zusammenarbeiten
garantieren Bodenhaftung
-
Eine Fokussierung auf
eine klar definierte Zielgruppe bzw. ein Thema ist zumindest für den
Anfangszeitraum notwendig
-
Die Übersichtlichkeit
und Bedienungsfreundlichkeit des Angebots, insgesamt eine professionelle
Gestaltung und Anmutung
-
Regelmässige
Aktualisierung, Pflege und qualitätsgesicherte Updates aller Inhalte nach
EBM-Kriterien. Insgesamt aber auch Ausbau der Informationsfülle und
Informationstiefe
-
Interaktive
Funktionalitäten (Selbsttests, Quiz, Lernspiel)
-
Umfragen unter den
Nutzern (Marktforschung), denn in Communities äußern Nutzer ihre
Vorstellungen, Erwartungen und Kritik an Produkten
-
Demand Management
Programme als erster Schritt zu einer Beeinflussung des Patienten in Richtung
der angemessenen Behandlung
-
Disease Management
Programme als zweiter Schritt zur engen Einbindung des Patienten in ein
kostensenkende und vernetztes Krankheitsmanagement
-
Cross-Marketing Online-
und Offline und Public Relation als unverzichtbares Instrument für die
Reichweitensteigerung
-
Live-Events (vom Chat
bis zur Live-Übertragung von Veranstaltungen)
-
Einbindung sinnvoller
mobiler Applikationen (von SMS bis Palm)
-
Verknüpfung und
Einbindung der Community in das Core Business des Unternehmens mit
Funktionseinheiten des Unternehmens (Aussendienst, Marketing, PR,
Unternehmensphilosophie)
-
Die Möglichkeit für die
Nutzer neben einem moderierten Expertenrat in einem freien Diskussionsforum
weitgehend unzensiert diskutieren zu können
-
Die Registrierung und
Personalisierung der Nutzer z.B. für exklusive Informationsangebote und
Services führt zu einer festen Community-Bindung (Customer-Lifetime) und
bildet die Basis für erfolgreiche Customer Relationsship Management Programme
(eCRM)
-
Etablierung von
Kommunikationselemente die „user generated content“ erzeugen (z.B. My Story)
und damit die Identifikation mit der Community erhöhen
-
Planung der Community
als eigenständiges Geschäftsmodell (Exit-Strategie festlegen) mit einem klaren
Finanzierungskonzept
Was
kostet eine medizinische Community und wie lange dauert der Aufbau?
Die
Kosten für den Neuaufbau einer medizinische Community steigen von Jahr zu Jahr,
da sich mittlerweile zu einer Reihe von Themen (z.B. Multiple Sklerose) bereits
gut laufende Communities gebildet haben oder durch Sponsorings ermöglicht
wurden. Damit erhöhen sich die Markteintrittsbarrieren für jede neue Website die
um die Nutzergunst buhlt. Auf der anderen Seite sind Internetnutzer untreu, d.h.
wenn Ihnen das neues Webangebot besser gefällt als das alte, dann wechseln sie
schnell. Genau hier liegen die Chancen von industriell gesponserten
medizinischen Communities. Mit dem notwendigen finanziellen Background kann ein
Betreiber einer Community Services und Tools anbieten und weiterentwickeln, die
Internetnutzer langfristig binden und nach dem Erstbesuch einer Community
(vergleichbar mit dem Erstkauf eines Produktes) auch die Folgebesuche
(vergleichbar mit dem Wiederkauf eines Produktes) garantieren.
Zum
Aufbau von Websites mit Community-Funktionen gibt es eine große Bandbreite von
Angeboten, von kostenloser Open-Source Software über umfassende integrierte
Lösungen bis zu Full-Service-Angeboten von Dienstleistern. Den grössten Erfolg
wird man in der Regel mit Anbietern haben, die bereits erfolgreiche Communities
betreiben und auf ein signifikante Reichweite unter gesundheitsinteressierten
Nutzern aufweisen können, wie z.B. Gesundheitsportale.
Ein
ungefähre Grössenordnung der Investitionen sei hier genannt:
-
Aufbau (enthält Konzeption, technisches Setup, Design, Basiscontent im Umfang
von ca. 50 Seiten, interaktive Tools, Expertenrat u.a.) - € 30-80.000 einmalig
-
Unterhaltungskosten (enthält redaktionelle Betreuung, News und
Inhalts-Updates, Betreuung von Diskussionsforen, Marketing und PR u.a) - €
7-20.000 monatlich
-
Interaktionskosten (fallen unternehmensintern für personelle Resourcen,
Kommunikation und Einbau in Unternehmenseinheiten an)
Der
phasenweisen Auf- und Ausbau einer Community ist eine klassische
Projektmanagementaufgabe des Agenturbusiness und sei daher nur kurz umrissen:
-
Phase 0: Konzeption, Setup, Design, Inhalte, Programmierung,
Technik, Staging, Abstimmung, Test, Prämarketing (Monat –3 bis Launch)
-
Phase 1: Onlinestellung, Erweiterterung der Inhalte, Ranking
und Traffic (Launch bis Monat 3)
-
Phase 2: Wachsen im Markt, Ausbildung der kritischen
Community-Masse (Monat 3-6 nach Launch)
-
Phase 3: Implementierung von Erweiterungsoptionen,
community-affinen und interaktiven Tools und Services (ab Monat 6)
-
Phase 4: Wachsen mit dem Markt, Führungsanspruch (ab Monat 12),
tragende Vernetzung im Umfeld
Welche Beispiele für erfolgreiche Communites gibt es?
Exemplarisch seien einige Beispiele von erfolgreichen Communities aufgezählt.
www.fit-for-travel.de
– Community rund um das Thema Reisemedizin
Über 100.000 Interessierte informieren sich hier zum Thema Reisemedizin.
Erfolgreich wurde die Community durch gut den abgestimmten Einsatz von
Marketing- und PR-Resourcen (Messeauftritte, Partnerschaften) und eine
Befriedigung der über den Bereich Reisemedizin hinausgehenden Nutzerwünsche
(News, Wetter, Reiseplanung etc.).
www.LIFELINE.de – Community zum Thema
Nagelpilz
Diese Community ist einer der First-Mover überhaupt unter den
Tabuthemen-Communites und zählt monatlich etwa 4.000 Besucher. Ein konsequentes
und langjähriges Engagement von Aventis (OTC-Produkt Batrafen) auf einem der
führenden Gesundheits- und Wellnessportale zahlt sich mit dieser Community in
einer hohen Nutzerbindung aus.
www.NetDoktor.de – Community zum Thema
Depressionen
Diese parallel in mehreren europäischen Ländern in Kooperation mit Lundbeck
(Antidepressivum Cipramil) gelaunchte Community wird regelmässig von über 15.000
deutschen Besuchern monatlich aufgesucht. Die durch die Einbindung bei
NetDoktor erzielte Aufmerksamkeit auf die Community ist einer der
Erfolgsfaktoren, die Nutzer werden aber auch durch umfassende Information,
moderierte Diskussion, Expertenchats und interaktive Tools gebunden. Für das
sponsernde Unternehmen sind insbesondere die regelmässigen Umfragen zum Thema
wertvolle DTC-Marktforschung.
www.parsimony.de - Community zum Thema
Akne
Parsimony ist der grösste deutsche Anbieter von freien Diskussionsforen. Jeder
kann hier innerhalb von Minuten kostenlos sein eigenes Forum eröffnen, so taten
es auch die selbst von Akne geplagten Betreiber Ende 2000. Mit knapp 50.000
bisherigen Diskussionsbeiträgen sicher eine der stärksten Communities zum Thema,
deren Erfolg auf der Integration bei Parsimony und der freien
Diskussionsmöglichkeit beruht.
www.ms-gateway.de - Community von
Schering Deutschland (Produkt Betaferon)
Die mit Abstand meistbesuchte deutsche Website zum Thema Multiple Sklerose mit
regelmässig über 25.000 Besuchen monatlich. Erfolgreich wurde die Community
durch den First-Mover-Effekt und die Konzentration auf eine klar abgegrenzte
Zielgruppe (ca. 120.000 Patienten in Deutschland). Zudem waren ein starker
finanzieller Background durch das Pharmaunternehmen und eine professionelle
Gestaltung hilfreich.
www.pille.com
- Community von Schering Deutschland (mehrere Präparate)
Mit über 45.000 monatlichen Besuchern vielbesuchte Community bei 14-18jährigen
Mädchen zum Thema Verhütung. Die Zielgruppe erfreut sich hier an dem
ansprechenden hippen und coolen Design, dem Diskussionsforum und einer
Freundesbörse. Die aussagekräftige Domain hilft hier bei der Vermarktung,
besonders weil das Angebot 1998 das erste seiner Art war.
www.bechterew.com - Community des Autors
Mit regelmässig über 6.000 Besuchen pro Monat am stärksten frequentierte Website
zu diesem Nischenthema. Erfolgsfaktoren sind hier die Fokussierung auf ein sehr
enges Thema (rund 80.000 Patienten in Deutschland), umfassende Information zum
Thema, ausgefeiltes Webmarketing, gute Domainnamen und eine minimal moderierte
Diskussion.
Fazit
Medizinische Communities im Internet gelten mittlerweile als
hervorragende Strategie, Kunden an Healthcare-Unternehmen zu binden. Virtuelle
Gemeinschaften bieten alles, was nicht nur Patienten, sondern auch Angehörige
und alle in die Erkrankung involvierten Parteien wünschen: unkomplizierten und
erstklassigen Service und Informationen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen
aber auch die Möglichkeit, offen Kritik zu üben.
Dieser Artikel wurde in Auszügen
veröffentlicht in
www.Pharma-Relations.de in den Ausgaben 10/2002 und 11/2002.

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